Hermann
Cohn (Vater Emil Ludwigs, 1838–1906)
Leben
und Werdegang
Hermann Cohn war der Vater Emil Ludwigs. Er wurde
1838 in Breslau geboren, wo er 1906 im Alter von 68 Jahren verstarb. Als Junge besuchte
er das Maria-Magdalenen-Gymnasium ebenfalls in Breslau. Schon dort
interessierte er sich für das Thema und die Funktionen der Augen, da das Licht
in den Arbeitsräumen der Schule nicht dem optimalen Anspruch entsprach. Da er als Sohn reicher jüdischer Eltern
aufwuchs, konnte er nach einem Schulabschluss am humanistischen Gymnasium in
Form des Abiturs, unbesorgt sein Studium beginnen. Zunächst studierte er in
Breslau, später Heidelberg Physik und Chemie (ab 1857) und daraufhin ab 1860
Medizin zusätzlich in Berlin. Schon drei Jahre später promovierte er im Bereich
der Chemie und wiederum ein Jahr später wurde er für drei Jahre Assistenzarzt
bei dem deutschen Hochschullehrer und Augenarzt Richard Förster in Breslau.
1863 promovierte er zum Doktor med. mit einer
Arbeit über die Geschichte der
Geburtshilfe.
1866 erweiterte er sein Fachwissen bei
unterschiedlichen Medizinern in Berlin, Paris und Wien. Nach seinen weiteren
Studien eröffnete er eine eigene Augenklinik in seiner Heimatstadt Breslau,
welche er seitdem kaum mehr, höchstens für z.B. eine Studienreise nach Berlin,
Wien und Paris, verließ.
Die Studien Cohns und die daraus entstehenden
Statistiken zur Kurzsichtigkeit von Schülerinnen und Schülern in Bezug auf die
Lichtverhältnisse in Lernräumen der Schulen erschienen 1867 in Leipzig. Diese
Forschungen mit dem Titel Untersuchungen der Augen von
10.060 Schulkindern, nebst Vorschlägen zur Verbesserung der den Augen
nachtheiligen Schuleinrichtungen wurden ein Erfolg, und das Gesamtwerk wurde ins Englische und ins
Russische übersetzt. Ebenfalls erwarb er durch sein Werk einen weiteren Sieg,
da das alte Gebäude seiner ehemaligen Schule als Reaktion auf seine
Untersuchungen kurze Zeit später abgerissen und neu aufgebaut wurde. Zusätzlich
lieferte er den Anstoß zur schulärztlichen Versorgung. Des Weiteren setzte er
sich dafür ein, dass Frauen das Studium nicht verwehrt bleiben sollte.
Er wurde in seiner Heimat als Augen-Spezialist sehr
bekannt und geschätzt. 1868 habilitierte
er als Dozent der Augenheilkunde an
der Universität in Berlin. Den Titel des »außerordentlichen Professors« erhielt
er 1874. Die Ehre des »Ordentlichen Professors« blieb ihm durch seine
Konfession verwehrt. Einer seiner größten Unterstützer war einer seiner Lehrer,
der Pathologe Rudolf Virchow, der ihn bis zu seinem Tod durch Vorträge über
seine Methoden unterstützte.
Mit
seiner Ehefrau Valeska, geborene Friedländer (1853–1927), bekam Hermann Cohn
1881 seinen Sohn, den späteren Schriftsteller Emil Ludwig. Mit ihr wurde Cohn
auf dem Alten jüdischen Friedhof in
der Lohestraße/ ul. Sleza
beerdigt.
Werk
Durch
seine Werke und Vorträge wurde Hermann Cohn einer der berühmtesten Augenärzte
Deutschlands. Daher wurde er 1888 Mitglied in der Gelehrtengesellschaft der
Leopoldina. Den Rest seines Lebens arbeitete er in seinem eigenen
Stadtkrankenhaus, in dem er die Menschen der unteren Gesellschaftsschichten
kostenfrei behandelte. Neben seinen großzügigen Taten widmete er sich
zusätzlich der Verbesserung und Erneuerung der Behandlungsgegenstände eines
Augenarztes. Zu seinen Veröffentlichungen zählen etliche Werke über das Licht
und ihre Wirkungen auf das Sehvermögen, sowie die Augenhygiene. Dazu auch
solche, die sich diesbezüglich mit der Verbesserung von Schulen und
Einrichtungen auseinandersetzen.
Charakter/Persönlichkeit
Hermann
Cohn wurde von Emil Ludwig sehr bewundert aber auch stark kritisiert. Seine
Weltanschauung war sehr realistisch. Er war ein liberaler und aufgeklärter
Mann, dabei sehr temperamentvoll und er strebte nach Macht. In seinem Machtstreben
konnte er sehr reißerisch und ausfallend werden. Oft handelte er zum Erreichen
seiner Ziele sehr egoisisch und egozentrisch. Dennoch
wird über ihn festgehalten, dass er einen klaren Verstand gehabt hat und vernünftig
war.
Emil
Ludwig und er standen des Öfteren in Konflikt, weil sie sehr gegensätzlich
waren. Hermann Cohn setzte den Fokus auf das Wissen, wohingegen Emil Ludwig
seinen Fokus auf das Persönliche und Kunstgefühl legte.
Annika
Kretschmann