Erster Weltkrieg: Kriegskorrespondent, Schriftsteller, Reisender

 

 

Emil Ludwig, der bereits ab 1912 große Reisen unternommen hatte, war in der Zeit des Ersten Weltkriegs in den Hauptstädten der deutschen Verbündeten als politischer Berichterstatter tätig. Als belletristischer Schriftsteller bis dahin recht wenig erfolgreich, war er seit Kriegsbeginn in erster Linie Korrespondent des Berliner Tageblatts in Österreich, Südosteuropa und in der Türkei gewesen; ebenso schrieb er etwas später auch eine Vielzahl an Artikeln für die Vossische Zeitung. Ludwig verfasst auf seinen Reisen als politischer Berichterstatter zahlreiche Artikel zum aktuellen Kriegsgeschehen, die regelmäßig auf den ersten Seiten der genannten Presse Publikation fanden, so z. B. Die zuversichtliche Stimmung in Konstantinopel (Berliner Tageblatt, 27.03.1915, 1), Mißlungener Torpedobootsangriff bei den Dardanellen (BT, 29.03.1915, 1), Strengere Handhabung der Neutralität durch Griechenland (BT, 29.03.1915, 2) oder Russische Angriffe im Kaukasus zurückgeschlagen (BT, 30.03.1915, 2). Die genannten vier Artikel, die an vier aufeinanderfolgenden Tagen in der Zeitung erschienen waren und wie die Mehrheit der Zeitungsberichte Emil Ludwigs als übersendete, kurze Telegramme in der Zeitung betitelt werden, stehen beispielhaft für die Vielzahl und die dichte Folge dieser unselbständigen Publikationen insbesondere in den Jahren 1914–16.

Emil Ludwigs Gesinnung bezüglich des Kriegsgeschehens änderte sich übrigens – anfangs zunächst von den sog. Ideen von 1914, also von den publizistischen Reaktionen national gesinnter Intellektueller in Deutschland auf den Ausbruch des Ersten Weltkrieges stark beeinflusst – im diachronen Verlauf zum Ende des Ersten Weltkriegs hin zu einer antimilitaristischen und pazifistischen Einstellung.

Außerhalb seiner journalistischen Tätigkeiten veröffentlichte Emil Ludwig in den Jahren 1914–1919 einige Werke, so u. a. 1914 das Stück Friedrich Kronprinz von Preußen. Historisches Schauspiel in zehn Bildern., welches 1915 in Hamburg und Berlin uraufgeführt wurde. Im selben Jahr erschien auch die Essaysammlung Der Künstler, 1915 dann neben dem Schauspiel Kaiser Friedrich der Zweite noch Die Fahrten der Emden und der Ayesha, verfasst nach Erzählungen des Kapitänleutnants von Muecke, seiner Offiziere und Mannschaften, wovon die Kapitel I-VI und X zuerst im Berliner Tageblatt erschienen, in dessen Auftrag die Reise unternommen worden war.

Weitere Werke aus dem Jahr 1916 wie Die Fahrten der Goeben und der Breslau und Der Kampf auf dem Balkan. Berichte aus der Türkei, Serbien und Griechenland 1915/16 entstammen ebenfalls der Feder des im Auftrag reisenden Korrespondenten Emil Ludwig.

1918, im Jahr des Kriegsendes, entstand dann der Roman Diana, ein Liebes- und Unterhaltungsroman, dessen Plot auf dem Balkan spielt. Bemerkenswert ist dabei, dass auch der Inhalt der Komödie Diplomaten. Komödie in 5 Akten aus dem Nachkriegsjahr 1919 auf dem Balkan verortet ist.

 

Monique Fregien, Marco Becker