How to treat the Germans
Erstausgabe: Emil Ludwig. How
to treat the Germans. New York: Willard, 1943, 96 pp.
Übersetzungen: Französisch (1944),
Portugiesisch (1943), Spanisch (1944)
Emil Ludwig schreibt mit How to treat the Germans unter
Zuhilfenahme eines ausgedehnten Rückblicks in die deutsche Geschichte und die
Kontinuität des deutschen Charakters eine Empfehlung für die amerikanische
Bevölkerung und Regierung, wie man nach dem nahenden Ende des Zweiten
Weltkrieges mit den Deutschen umgehen solle. Ludwig befindet sich zur
Entstehungszeit bereits im Exil in den USA. Hier steht er im Dienst der
amerikanischen Regierung und berät diese auch offiziell in Bezug auf
Deutschland. Mit How to treat the Germans reiht
Ludwig sich in die Liste der Emigranten ein, die einen konkreten Plan für das
nahende Nachkriegsdeutschland formulieren.
Das Buch gliedert sich in vier
Kapitel, wobei der erste Teil
mit »The German« betitelt ist. Hier will Ludwig die Chance nutzen, um für sich
selbst und viele andere deutsche Emigranten Werbung zu machen: Da nur sie den
deutschen Charakter wirklich kennen, sollte ihnen auch die Beraterrolle in der
amerikanischen Regierung in Bezug auf den Umgang mit den Deutschen nach dem
Kriegsende zukommen. Was passiert, wenn dies nicht der Fall ist, demonstriert
Ludwig dann, indem er die Situation nach dem Ersten Weltkrieg beschreibt, in
dessen Folge die Alliierten den Deutschen relative Freiheit ließen, sich selbst
zu regieren. Für ihn ist dies der Hauptgrund, warum die Demokratie in der
Weimarer Republik nur von kurzer Dauer war und schließlich erneut in einer
Alleinherrschaft ähnlich der vor dem Ersten Weltkrieg gipfelte.
Außerdem beginnt Ludwig im
ersten Kapitel mit der Beschreibung des »deutschen Charakters«, die an vielen Stellen
der Beschreibung in The Germans: Double History of a Nation ähnelt.
Besonders wichtig ist Ludwig im Verlaufe des ganzen Buches, diejenigen
deutschen Charaktereigenschaften darzustellen und hervorzuheben, die sich stark
von den amerikanischen Charaktereigenschaften abheben. Dies sind für ihn vor
allem die »preußischen« Eigenschaften, die er im zweiten Kapitel »The Prussian« ausführt:
Besonders hebt Ludwig hierbei hervor, dass alles, was der Preuße will, Macht
und Ehre sei. Deshalb sei er niemals korrupt, deshalb liebte er seine Uniformen
und die Demonstration seiner Macht und deshalb sei er ohne Hilfe niemals zu
einer Anerkennung einer Niederlage, geschweige denn zu einer Demokratie fähig.
Mit Hilfe dieser und anderer sich vom Amerikaner unterscheidenden
Charaktereigenschaften sammelt Ludwig Belege dafür, dass eine erneute
Selbstverwaltung der Deutschen nach dem Krieg unmöglich sei. Anstelle einer
solchen stellt Ludwig im dritten
Kapitel »The German Defeated« die für ihn
einzig denkbare Option vor, mit den Deutschen umzugehen: Dabei handelt es sich
erstens um eine alliierte Besatzung Deutschlands durch die Amerikaner, die von
starker Militärpräsenz und harter Hand der Soldaten geprägt sein soll. Man
müsse dem Deutschen zeigen, dass man nicht gleichwertig sei, sondern der Sieger
gegenüber dem Verlierer Deutschland. Darüber hinaus sei eine solche Besatzung
aufgrund des deutschen Charakters wichtig: Der Deutsche liebe schließlich
Ordnung mehr als Freiheit, Uniformierungen mehr als Liberalität und Herrschaft mehr
als Demokratie. Dies sollten die Alliierten durch die Besatzung bedenken und
vom deutschen System nahtlos übernehmen.
Außerdem soll das Deutsche Reich
nach Ludwig in zwei Teile aufgeteilt werden, da das aggressive Element ihm
zufolge aus Preußen stamme. Der Westen und der Süden hingegen liefere
konstruktive Elemente und habe in der Geschichte auch immer wieder starke
Persönlichkeiten hervorgebracht, die einen langfristigen Frieden und Demokratie
garantieren könnten. Durch eine solche Teilung würde außerdem eine erneute
Mobilisierung von Streitkräften erschwert und die ökonomische Kraft der Preußen
gebrochen. Die Deutschen sollen dabei aber nicht wie Sklaven behandelt werden.
Es gehe nur darum, die deutsche Initiative zu brechen.
Weiter sei es entscheidend, so
fährt Ludwig im vierten und letzten
Kapitel »The German Educated« fort, die
Politik zu bestimmen und die Bildung zu kontrollieren. Die Deutschen müssten
sich zurückberufen auf die großen Geister ihrer Geschichte und darüber liberale
Ideen und demokratisches Gedankengut kennen- und mögen lernen. Nur dann könne
das große Ziel erreicht werden, das Ludwig mit diesem Vorgehen erreichen will:
Dauerhafter Frieden und Demokratie für Deutschland.
Historisch betrachtet wurde
Ludwigs Vorschlag nur teilweise angenommen. Es gab zwar eine kurzzeitige
militärische Übergangsregierung, diese war aber nicht von harten Prozessen und
harter Hand gegen die deutsche Bevölkerung gekennzeichnet und das Land wurde
auch nicht in Preußen und »den Rest« aufgeteilt. In die Politik und Erziehung wurde wenn überhaupt geringfügig eingegriffen. Auch Ludwigs
Befürchtungen, die Deutschen würden, wenn man sie sich selbst überlasse, in die
nächste Diktatur schlittern, hat sich nicht bewahrheitet.
Christopher
Wüste